| DNN,
16.03.06
Heidrun Hannusch
Dresden als Sparmodell für Deutschland
Braucht Dresden dann eigentlich noch Fördermittel, wenn es
jetzt schuldenfrei ist? Auch solche - auswärtige - Stimmen
habe er bereits gehört nach dem Dresdner Woba-Deal, erzählt
Thomas Ungethüm, Präsident des Verbandes Haus & Grund.
Stimmen, hinter denen Begehrlichkeiten aufleuchten, über den
Umverteilungsumweg vom Dresdner Kuchen etwas abzubekommen.
Und jetzt schickt sich die sächsische Landeshauptstadt endgültig
an, Deutschlands finanzpolitischer Musterknabe beziehungsweise -mädchen
zu werden. Nicht nur momentan schuldenfrei als einzige Großstadt
Deutschlands, sondern möglichst für immer ist das Ziel.
Nach einem FDP-Antrag soll in der Hauptsatzung der Stadt ein Schuldenverbot
verankert werden. Das heißt: In Zukunft soll es keine Neuverschuldung
mehr geben. Und wenn doch Kredite aufgenommen werden müssen,
weil ein geplantes Vorhaben zu groß ist, um es aus dem Stand
zu schultern - müsse es durch städtische Rücklagen
gedeckt sein. "Es hätte ja keinen Sinn gehabt, die Woba
zu verkaufen, um dann in einer neuen Schuldenspirale zu landen",
erklärt Fraktionschef Jan Mücke den Vorstoß. Der
wäre, so er gelänge, bisher einmalig in Deutschland.
Zunächst muss allerdings geklärt werden, ob das überhaupt
rechtlich möglich ist. Und dann gilt es, Mehrheiten im Stadtrat
dafür zu finden. CDU- Fraktionschef Michael Grötsch signalisiert
schon mal Sympathie für die Idee.
"Wir haben das in der CDU noch nicht abschließend diskutiert,
aber grundsätzlich steht unsere Fraktion dem positiv gegenüber",
sagt er. Eben aus dem Grund, die Verkaufserlöse in die Schuldentilgung
zu stecken, habe ja seine Fraktion dem Woba-Verkauf zugestimmt,
meint er. Peter Lames von der SPD sieht das Ganze skeptischer. "Natürlich
sind wir auch dafür, künftig Schulden zu vermeiden. Aber
der FDP-Antrag ist blanker Populismus, der den Bürgern eine
Sicherheit vorgaukelt, die es so nicht geben kann." Auch Eva
Jähnigen von den Grünen hält den Antrag für
eine eher äußerliche Sache.
"Wichtig ist doch nicht, dass die Hauptsatzung geändert
wird, sondern die Haushaltspolitik. Und dazu müssen auch die
Prioritäten derStadt neu diskutiert werden. "
Jan Mücke hofft, dass der Antrag schon im April vom Stadtrat
beraten werden kann. Er sieht den Vorstoß als ein Modell,
dessen Bedeutung über Dresden hinaus reicht. Immerhin habe
es ja schon mehrere, bisher allerdings erfolglose Versuche gegeben,
ein Neuverschuldungsverbot im deutschen Grundgesetz zu verankern.
Der Verband der Grundeigentümer Haus & Grund sieht den
Woba-Verkauf mit etwas weniger Euphorie. "Diejenigen, die als
erste über die Klinge springen müssen, sind die privaten
Wohnungseigentümer", verlieh Thomas Ungethüm seiner
Sorge Ausdruck, Fortress könnte derzeit leer stehende Wohnungen
minimal sanieren und dann zu Dumping-Mieten auf den Markt werfen.
Aber der Verkauf könnte auch die Chance für eine Neuorientierung
im Städtebau sein.
Für Dresden forderte er ein gezieltes Aufwertungs- und Förderprogramm
für Besitzer von Altbauten. Ein städtischer Anteil von
10 Millionen Euro würde 100 Millionen Euro Investitionen auslösen.
Sächsische Zeitung
Donnerstag, 16. März 2006
Oskar und Katja drohen Dresdner Genossen Von Stefan Rössel,
Peter Heimann
Linkspartei. Die Stadträte werden nach dem Woba-Verkauf aus
Berlin unter Druck gesetzt.
Wer bei der Linkspartei-PDS in Dresden etwas werden will, muss
die Zustimmung einiger Parteigänger im Stadtrat zum Woba-Verkauf
verdammen. Das war die Übung bei der Konferenz, die am Dienstagabend
Delegierte für den Bundesparteitag wählte. Die Kandidaten
präsentierten sich als Gegner.
Es war ein großes Wundenlecken. Dreieinhalb Stunden lang
wurde das Thema nachbesprochen. „Es ist wie bei Karthago“
(das einst die Römer in drei Kriegen vernichteten), klagte
Konrad Skuin: „1989 war unser erster Krieg.“ Beim zweiten
um die Woba sei die Partei schon geschwächt gewesen, nach dem
dritten werde keiner mehr von ihr reden. „Die Partei hat es
verschlafen, weil wir zu wenig miteinander reden“, findet
ein anderer Delegierter. Die Atmosphäre der Denunziation lasse
keine Diskussion mehr zu, klagte Bernd Rumpp.
Stadträtin Christine Ostrowski wehrte sich gegen den Vorwurf
der Abtrünnigkeit von Idealen: „Das Leben ist nicht so
einfach wie ein Parteiprogramm.“ Sie hätten es sich nicht
leicht gemacht, denn eine Kommune müsse auch eine gesunde Finanzbasis
haben.
Ein Antrag, die Zustimmer zu missbilligen, scheiterte. Aber in
Berlin wurde ein Giftpfeil aufgelegt. Katja Kipping, Parteivize
aus Dresden, kam verspätet aus der Bundestagsfraktion. Der
Woba-Verkauf sei nach der WASG das größte Problem der
Linken, berichtete sie. In Dresden müsse bei der nächsten
Wahl entschieden werden, ob die Politik fortgesetzt werden kann
– also bei der Kandidatenaufstellung. Gestern legte Fraktionschef
Oskar Lafontaine in demselben Sinne nach: „Weder die Wähler
noch die Partei haben die Abgeordneten für den Verkauf von
kommunalen Wohnungen in die Parlamente gewählt“, sagte
er der SZ: „Wer das will, ist in anderen Parteien besser aufgehoben.“
Billigmiete befürchtet
Von Bettina Klemm
Wohnen. Nach dem Verkauf der Woba rechnet Haus & Grund mit
einer Veränderung des Marktes.
Thomas Ungethüm, Präsident des Vermieterverbandes Haus
& Grund Sachsen, schlägt Alarm. „Der Verkauf der
Woba kann auf dem städtischen Markt zu gravierenden Veränderungen
führen“, sagte er gestern. Er befürchtet, dass der
Woba-Käufer Fortress die rund 9 000 leer stehenden Wohnungen
zu Billigpreisen von etwa 3,50 Euro pro Quadratmeter vermieten könnte.
„Andererseits werden aber sicher gute Wohngebiete besonders
entwickelt und mit deutlich höheren Mieten angeboten“,
sagt er. Ungethüm schlägt vor, die Stadt solle mit den
privaten Wohnungs- und Grundstückseigentümern ins Gespräch
über den Stadtumbau kommen. Dresden könnte dazu ein Förderprogramm
für Altbaubesitzer mit einem städtischen Anteil von zehn
Millionen Euro anregen. 70 Prozent würden die Privaten, jeweils
zehn Prozent Stadt, Bund und Land zahlen.
Sächsische Zeitung
Mittwoch, 15. März 2006
Stadt-PDS in der Krise
Von Stefan Rössel
Linkspartei. Der Streit um den Woba-Verkauf hält die Genossen
noch lange Zeit unter Spannung.
„Im Moment ist Krisenmanagement angesagt! Es gibt eine Menge
aufzuarbeiten.
– So charakterisierte der Stadtvorsitzende Hans-Jürgen
Muskulus gestern die Lage in der Linkspartei-PDS, nachdem eine Mehrheit
der Linksfraktion im Stadtrat endgültig mit seinen Stimmen
den Verkauf der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ermöglicht
hatte. Die Partei positionierte sich klar gegen die Privatisierung.
Der Stadtchef wies jedoch Begehren zum Parteiausschluss von Verkaufsbefürwortern
wie Christine Ostrowski und Ronald Weckesser zurück.
Solche Anträge waren zunächst außerhalb Dresdens
gestellt worden. Bei der Stadtdelegiertenversammlung gestern Abend
sollten jedenfalls solche Vorstöße nicht zur Abstimmung
gestellt werden, versicherte Muskulus nach entsprechender Diskussion
im Vorstand. Das sei kein Mittel der politischen Auseinandersetzung.
Er wolle allerdings auch keine Politik der X-Beliebigkeit zulassen.
Für den 8. April kündigte er eine gemeinsame Sitzung
von Stadtvorstand und Stadtratsfraktion an. Dabei sollten neben
Vergangenheitsbewältigung auch gemeinsame Projekte besprochen
werden.
Ostrowski kämpferisch
Ostrowski stellte klar, dass sie keinen Grund sehe, das Feld in
der Linkspartei-PDS zu räumen. Unbestritten gebe es einen politischen
Konflikt.
Der lasse sich aber nicht mit disziplinarischen Mitteln lösen.
Dann wäre man wieder bei der SED angekommen. Sie erinnerte
daran, dass Pluralismus zum Gründungskonsens der PDS gehört
habe. Die Partei stehe vor einer neuen Programmdebatte, und da werde
man sehen, wer am Ende das Sagen hat.
Fraktionssprecher André Schollbach, selbst Gegner des Verkaufs,
mahnte gestern, die Diskussion sachlich zu führen. „Es
bringt keiner Seite etwas, wenn nun alle wild aufeinander losgehen
und sich zerfleischen“, erklärte er.
Sächsische Zeitung
Freitag, 10. März 2006
„Geld, richtiges Geld“
Von Thilo Alexe
Politik. Turbulent, langatmig und begleitet von einem riesigen
Medientross verkauft der Stadtrat die Woba.
Fast - aber nur fast! - hätten sie sich geprügelt. Zumindest
sah es für den unbefangenen Beobachter so aus. Verkaufsbefürworter
Patrick Schreiber (CDU) war über einen Beitrag des Privatisierungsgegners
Johannes Lichdi (Grüne) so erzürnt, dass er den Kontrahenten
vor dem Saal zur Rede stellen wollte. Ein kurzer Schwall lauter
Worte bedingte offenbar beiderseits eine Triebabfuhr.
Eine Prügelei fand jedenfalls nicht statt.
Knapp drei Stunden hat der Stadtrat am gestrigen Abend über
den Verkauf der Woba an die US-Investmentgruppe Fortress - ja was
eigentlich? Gestritten?
Bereits zigmal ausgetauschte Argumente aufgefrischt? Eine hoch emotionale
Debatte geführt? Von allem etwas.
Beeindruckend waren etwa Wortmeldungen von Angela Mahlberg (CDU),
die davon erzählte, dass es bereits bei der Überführung
der Wohnungswirtschaft aus dem DDR-System in die Marktwirtschaft
„Morddrohungen gegen Stadträte und zerstochene Reifen“
gegeben habe. Linskpartei-Senior Rainer Kempe argumentierte besonnen
und auf eindringlich leise Art gegen den Verkauf. Und Rathauschef
Ingolf Roßberg (FDP) lächelte versonnen, als Linksfrau
Christine Ostrowski launig einräumte, dass sie vor acht Jahren
im Bundestag heftig gegen den Verkauf von Eisenbahnerwohnungen gewettert
- und sich dabei offenbar geirrt habe.
Publikums- und Medieninteresse waren immens. Mindestens fünf
Kamerateams schwirrten durch die Gänge, während CDU-Fraktionsboss
Michael Grötsch davon schwärmte, dass nun „Geld,
richtiges Geld“ in die Sanierung von Schulen investiert werden
könne. Das MDR-Fernsehen schaltete live ins Rathaus und der
ARD-Hörfunk sendete deutschlandweit. Hinten im bis auf den
letzten Platz gefüllten Plenarsaal saßen Herren von international
agierenden Anwaltskanzleien sowie von Fortress - zu erkennen an
den sehr, sehr guten Anzügen. Wegen des Andrangs war sogar
der benachbarte Festsaal geöffnet.
Rund 100 Dresdner verfolgten die Debatte auf einer Leinwand. Als
Roßberg vom „Verbot von Luxussanierungen“ sprach,
regte sich Gelächter. „Das ist ein Träumer“,
schallte es durch den Raum.
Um 19.45 Uhr war es denn soweit: Die Woba geht für rund 1,7
Milliarden Euro an Fortress - besiegelte die Stadtratsmehrheit durch
namentliche Abstimmung.
Gezweifelt hatte niemand ernsthaft, nicht zuletzt auch deshalb,
weil die Gegner vor Beginn der Sitzung lediglich 44 608 Unterschriften
für einen Bürgerentscheid abgaben, knapp 20 000 weniger
als nötig.
Was bleibt im politischen Alltag? Ein Graben, der durch Links-,
aber auch Bürgerfraktion geht. Nicht ausgeschlossen, dass es
zu Abspaltungen kommen wird. Tiefe Verletzungen unter einzelnen
Stadträten. Und ein trotz aller Affären strahlender OB.
„Damit hat er sich den Grundstein für die Wiederwahl
gelegt“, sagte einer seiner Gegner.
Sächsische Zeitung
Donnerstag, 9. März 2006
Letzte Frage: Geheime oder namentliche Abstimmung
Von Stefan Rössel
Woba-Verkauf. Der Stadtrat entscheidet über das Milliarden-Geschäft. Roßberg bekommt die Unterschriften dagegen.
Eines ist jetzt schon klar: Es wird ein historischer Beschluss, den der Stadtrat heute zum Verkauf der städtischen Wohnungsbaugesellschaft trifft.
André Schollbach, Sprecher der Linksfraktion-PDS, nennt ihn eine „Jahrhundert-Entscheidung“; für die CDU-Fraktionsvize Christa Müller ist es eine der wichtigsten Abstimmungen der letzten Jahre: „Es erfüllt mich mit Stolz, daran mitgearbeitet zu haben“, sagte sie gestern.
Noch in diesem Monat soll die Landeshauptstadt 982 Millionen Euro überwiesen bekommen, mit der sie als erste deutsche Großstadt ihre sämtlichen Schulden tilgen kann. Voraussetzung ist heute das Ja zum Verkauf der Woba Dresden GmbH an die amerikanische Investmentgesellschaft Fortress.
Das Geschäft war seit seiner Anbahnung im vorigen Frühjahr höchst umstritten. In zehn von der Stadt arrangierten Bürgerversammlungen wurde lautstark darüber gestritten. Die Bürgerinitiative „Woba erhalten!“ strebte ein Bürgerbegehren gegen den Totalverkauf an. Sie scheiterte allerdings an der Hürde von gut 60 000 Unterschriften, schaffte nur drei Viertel davon.
Vor der Sitzung übergibt sie die Listen heute im Rathaus an Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP).
Vor allem in der Linkspartei-PDS wurde die Auseinandersetzung in seltener Heftigkeit und Emotionalität geführt. Ihre Fraktion will geteilt abstimmen – haushaltsbewusste Realpolitiker gegen traditionelle Privatisierungsgegner.
Es gab persönliche Diskriminierungen, Belästigungen am Telefon und sogar Morddrohungen. Deshalb mahnte Schollbach gestern, den „miesen Stil“ aufzugeben und schnell zur politischen Kultur zurückzufinden.
Respekt für Fortress-Chef
Matthias Moser, Geschäftsführer von Fortress Deutschland, warb am Mittwoch noch einmal in den Fraktionen des Stadtrats um deren Zustimmung, wie es sich gehört. Sachlich sei er gewesen, hieß es allseits respektvoll. Aber er hinterließ nur eine neue Erkenntnis bei Thomas Blümel (Bürgerfraktion), dass sich nämlich Fortress von einer Firma habe beraten lassen, die mit der Sachsen Treuhand verbunden ist, bei der die PDS-Stadträtin Christine Ostrowski Prokuristin ist.
Umstimmen konnte Moser jedoch offenbar niemanden. Gestern wurde weiter mit höchstens 31 Gegen- und mindestens 39 Pro-Stimmen gerechnet.
Verkaufsgegner Blümel hielt freilich die Hoffnung hoch, dass bei einer geheimen Abstimmung doch noch Räte umschwenken und die Mehrheit kippen könnten. Deshalb wolle er dieses Verfahren beantragen, kündigte er an. Die Geschäftsordnung schreibt dafür die Zustimmung von 20 Prozent, also 15 Räten, vor. Roßberg sorgte gestern für Verwirrung: Die Mehrheit müsse zustimmen, ließ er verlauten. Bei CDU, PDS und Grünen wird namentliche Abstimmung erwogen.
Sächsische Zeitung
Freitag, 10. März 2006
„Geld, richtiges Geld“
Von Thilo Alexe
Politik. Turbulent, langatmig und begleitet von einem riesigen Medientross verkauft der Stadtrat die Woba.
Fast – aber nur fast! – hätten sie sich geprügelt. Zumindest sah es für den unbefangenen Beobachter so aus. Verkaufsbefürworter Patrick Schreiber (CDU) war über einen Beitrag des Privatisierungsgegners Johannes Lichdi (Grüne) so erzürnt, dass er den Kontrahenten vor dem Saal zur Rede stellen wollte. Ein kurzer Schwall lauter Worte bedingte offenbar beiderseits eine Triebabfuhr.
Eine Prügelei fand jedenfalls nicht statt.
Knapp drei Stunden hat der Stadtrat am gestrigen Abend über den Verkauf der Woba an die US-Investmentgruppe Fortress – ja was eigentlich? Gestritten?
Bereits zigmal ausgetauschte Argumente aufgefrischt? Eine hoch emotionale Debatte geführt? Von allem etwas.
Beeindruckend waren etwa Wortmeldungen von Angela Mahlberg (CDU), die davon erzählte, dass es bereits bei der Überführung der Wohnungswirtschaft aus dem DDR-System in die Marktwirtschaft „Morddrohungen gegen Stadträte und zerstochene Reifen“ gegeben habe. Linskpartei-Senior Rainer Kempe argumentierte besonnen und auf eindringlich leise Art gegen den Verkauf. Und Rathauschef Ingolf Roßberg (FDP) lächelte versonnen, als Linksfrau Christine Ostrowski launig einräumte, dass sie vor acht Jahren im Bundestag heftig gegen den Verkauf von Eisenbahnerwohnungen gewettert – und sich dabei offenbar geirrt habe.
Publikums- und Medieninteresse waren immens. Mindestens fünf Kamerateams schwirrten durch die Gänge, während CDU-Fraktionsboss Michael Grötsch davon schwärmte, dass nun „Geld, richtiges Geld“ in die Sanierung von Schulen investiert werden könne. Das MDR-Fernsehen schaltete live ins Rathaus und der ARD-Hörfunk sendete deutschlandweit. Hinten im bis auf den letzten Platz gefüllten Plenarsaal saßen Herren von international agierenden Anwaltskanzleien sowie von Fortress – zu erkennen an den sehr, sehr guten Anzügen. Wegen des Andrangs war sogar der benachbarte Festsaal geöffnet.
Rund 100 Dresdner verfolgten die Debatte auf einer Leinwand. Als Roßberg vom „Verbot von Luxussanierungen“ sprach, regte sich Gelächter. „Das ist ein Träumer“, schallte es durch den Raum.
Um 19.45 Uhr war es denn soweit: Die Woba geht für rund 1,7 Milliarden Euro an Fortress – besiegelte die Stadtratsmehrheit durch namentliche Abstimmung.
Gezweifelt hatte niemand ernsthaft, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Gegner vor Beginn der Sitzung lediglich 44 608 Unterschriften für einen Bürgerentscheid abgaben, knapp 20 000 weniger als nötig.
Was bleibt im politischen Alltag? Ein Graben, der durch Links-,
aber auch Bürgerfraktion geht. Nicht ausgeschlossen, dass es
zu Abspaltungen kommen wird. Tiefe Verletzungen unter einzelnen
Stadträten. Und ein trotz aller Affären strahlender OB.
„Damit hat er sich den Grundstein für die Wiederwahl
gelegt“, sagte einer seiner Gegner.
Berater-Skandal
oder alles ganz „sauber“? Woba-Verkauf: Sozietät
beriet Stadt und Fortress gleichzeitig
Von Andreas Weller
Nachdem beim bevorstehenden Verkauf der Woba die gebotene Summe
bekannt wurde, gehen mit einigen Dresdner Politkern offenbar die
Pferde durch. Die einen wollen einen Teil der 981,7 Millionen Euro
in eine Stiftung geben – die anderen wittern einen Berater-Skandal,
um offenbar doch noch den Verkauf zu stoppen.
Jens Hoffsommer, Sprecher der Grünen im Stadtrat, ist sich
sicher: „Die Grenzen, wo Nähe gut ist, ist überschritten.“
Gemeint ist der Berater der Stadt beim Verkauf – die internationale
Anwaltssozietät Freshfield Bruckhaus Deringer (FBD). Denn die
berät nicht nur die Stadt Dresden. FBD hat den von der Stadt
favorisierten Woba-Käufer Fortress auch beraten – als
Fortress Ende 2005 rund 300 Immobilien der Dresdener Bank für
mehr als zwei Milliarden Euro kaufte. Da lief der Verkaufs-Prozess
in Dresden bereits.
Hoffsommer:“Dass FBD ausgerechnet das Unternehmen parallel
berät, das für die Woba bietet, ist politisch und moralisch
bedenklich“. Rathaussprecher Kai Schulz: „Das war uns
die ganze Zeit bekannt. FBD konnte jederzeit nachweisen, dass es
da keine Verquickungen gibt. Das Verkaufsverfahren ist jederzeit
und nachweislich sauber gelaufen.“
Unterdessen treibt andere Politiker etwas ganz anderes um: Was machen
wir mit der Kohle? Zwar bleibt, laut Kämmerer Hartmut Vorjohann
(CDU), nach der Schuldentilgung und sonstigen Verpflichtungen nichts
übrig – trotzdem machen sich einige Gedanken. CDU-Kreis-Chef
Lars Rohwer will eine Kulturstiftung: „Um die kulturelle Identität
Dresdens zu sichern.“ Auch eine Sozialstiftung ist im Gespräch,
um den Dresden-Pass und den Behindertenfahrdienst zu finanzieren.
Helfried Reuther, Sprecher der Rats-CDU: „Grüne und SPD
haben Stiftungen für Kultur, Umwelt, UNESCO-Welterbe und Kinder
und Jugend vorgeschlagen. Es ist unanständig, dass die, die
dem Verkauf nicht zustimmen, das Geld verteilen wollen.“
Mieterbund-Direktor Dr. Franz-Georg Rips zum 981-Millionen-Angebot
von Fortress: Hoher Preis heißt hohes Risiko
Mieter und Mitarbeiter müssen die Zeche zahlen
(dmb) „Das 981-Millionen-Angebot des Finanzinvestors Fortress
für die 48.000 Wohnungen der Dresdner Wohnungsbaugesellschaft
ist für die Mitarbeiter, vor allem aber für die mehr als
100.000 unmittelbar betroffenen Mieterinnen und Mieter ein Alptraum,
kommentierte Dr. Franz-Georg Rips, Direktor des Deutschen Mieterbundes
(DMB), in einer ersten Stellungnahme. „Hoher Kaufpreis heißt
hohes Risiko und hoher Verwertungsdruck. Mieter und Mitarbeiter
der Dresdner WOBA werden die Zeche zahlen müssen.“
Fortress werde in den nächsten Jahren den Kaufpreis und die
hohen Renditeversprechungen wieder erwirtschaften müssen, erklärte
Rips. Das bedeute:
Je höher der Kaufpreis,
- desto höher die künftige Miete;
- desto mehr Wohnungen müssen verkauft werden;
- desto schneller müssen Wohnungen auch an Dritte verkauft
werden;
- desto weniger kann in das Wohnumfeld investiert werden;
- desto eher werden „unverkäufliche“ oder weniger
attraktive Standorte abgeschrieben. Hier wird nicht mehr investiert,
nicht mehr repariert und nicht mehr modernisiert.
„Wer sozial-verantwortliche Politik betreibt, darf diesem
Ausverkauf nicht zustimmen. Ich appelliere deshalb an den Stadtrat,
gegen den geplanten Verkauf zu stimmen, sich nicht von dem Millionen-Angebot
blenden zu lassen. Überhaupt kein Verständnis habe ich
für die Ja-Sager in der Fraktion der Linkspartei. Sie lassen
sich einspannen für die Kapitalinteressen des Investors und
stimmen gezielt gegen die Interessen der Mieter und Mitarbeiter.
Mit dem Verkauf an Fortress würde die Stadt Dresden den kompletten
öffentlichen Wohnungsbestand verkaufen und damit den Einfluss
auf die kommunale Wohnungspolitik und den Stadtumbau aufgeben“,
warnte Rips.
PM der BürgerinitiativeI vom 22.02.
"Der Verkauf bleibt ein Fehler!"
Dresden. Nach der gestrigen Bekanntgabe des potentiellen WOBA-Käufers
Fortress appellieren die Initiatoren der Bürgerinitiative “WOBA-erhalten!”
noch einmal eindringlich an die Stadträte, dem Verkauf nicht
zuzustimmen.
Ralf Hron, DGB-Chef Dresden, “Ich halte es nach wie vor für
einen Fehler die WOBA komplett zu verkaufen. Sozialpolitisch, städtebaulich
aber auch fiskalisch würden sich in Zukunft für Dresden
und ihre Bürgerinnen und Bürger negative Folgen ergeben”.
Hron weiter, “der hohe Verkaufspreis ist doch vielmehr ein
Beweis dafür, dass hier ein wertvolles Stück Bürgereigentum
unwiederbringlich aus der Hand gegeben wird. Unsere Position, nur
einen Teilverkauf zu tätigen, sehe ich dadurch als gestärkt
an”, so Hron weiter.
Die SPD-Fraktion, ebenfalls an der Bürgerinitiative “WOBA-erhalten!”
beteiligt, hatte bereits Ende letzten Jahres eine Modellrechnung
vorgelegt, wie mit einem Teilverkauf ebenfalls eine Haushaltskonsolidierung
geschehen könnte. Dabei ging sie allerdings von den alten Verkaufszahlen
von 650 Millionen Euro aus. Die Vermutung liegt nah, dass auch ein
Teilverkauf wesentlich höhere Erträge bringt.
Auf die hoch gelobte Sozialcharta geht Hrons Mitinitiator Peter
Bartels vom Mieterverein Dresden ein. “Die Sozialcharta gaukelt
den Mietern eine Sicherheit vor, die so nicht existiert. Gerade
mit Fortress gibt es bereits negative Erfahrungen”.
Wie bereits gestern der Presse zu entnehmen war, hat der Immobilienfond
u.a.
bereits 80.000 Wohnungen von der BfA erworben, die so genannten
Gagfah-Wohnungen.
“In Stuttgart wurden trotz Sozialcharta teilweise Mieterhöhungen
von 20% vorgenommen. Vertraglich vereinbart waren aber nur 1,5%.
Auf ein Protestschreiben des dortigen Mietervereins antwortete das
Unternehmen lediglich, dass die 1,5% Mieterhöhungen den Gesamtbestand
betreffen würden.
Eine Drittwirkung gegenüber dem einzelnen Mieter gäbe
es dadurch nicht”, berichtet Bartels.
Er ergänzt weiter, “setzt man die zehn Jahre, die die
Sozialcharta für verbindlich erklärt wurde ins Verhältnis
zur durchschnittlichen Mietdauer wird erkennbar, dass die überwiegende
Mehrzahl der WOBA Mieter noch die Zeit erleben wird in der die Sozialcharta
keine Gültigkeit mehr hat. Ab dem elften Jahr kann alles nachgeholt
werden was vorher durch die Sozialcharta ausgeschlossen war. Die
Mieter vor allem ältere werden hart getroffen”.
“Der Verkauf bleibt ein Fehler”, so beide unisono abschließend.
Redakteur: André Schnabel
Sächsische Zeitung, 22.02.
Das Milliardending mit den Wohnungen
Von Stefan Rössel
Haushalt. Der Kampf gegen den Verkauf geht weiter, obwohl die volle
Entschuldung lockt.
Sieben Monate nach dem Stadtratsbeschluss, die Woba komplett zu
verkaufen, gibt es einen Kaufwilligen, der alle Hoffnungen übertrifft.
Rund 1,7 Milliarden Euro will der US-amerikanische Investmentfonds
Fortress für die
48 000 Wohnungen aufbringen, rund 35 800 pro Einheit, rechnete Oberbürgermeister
Ingolf Roßberg (FDP) gestern vor.
Abzüglich der Woba-Schulden würde das für die Stadt
einen Erlös von 981,7 Millionen Euro einbringen. Das ist weit
mehr als die 650 Millionen, die als Erlös für eine Teilentschuldung
eingeplant waren. Das reicht sogar für eine vollständige
Tilgung der städtischen Schulden – plus ein bisschen
Aufschlag.
Im nächsten Jahr könne die Stadt damit 75 Millionen Euro
an Zinszahlungen einsparen, frohlockt Roßberg. Gestern berichtete
er der Lenkungsgruppe zum Woba-Verkauf, danach Journalisten von
dem entscheidenden Angebot. Apellas als zweiter Bieter liege übrigens
rund 50 Millionen Euro zurück.
Roßberg mochte kaum aufhören, viele für Stadt und
Woba-Kunden günstige Klauseln aus dem vereinbarten Kaufvertrag
zu nennen. Die Sozialcharta zum verstärkten Schutz der Mieter
sei geschluckt worden. Es gebe Garantien zur weiteren Instandhaltung
der Bausubstanz. Das Abrissprogramm werde fortgesetzt. Und wenn
der Stadtrat den Verkauf am 9. März beschließt, wolle
Fortress das Geld bis Ende März überweisen.
Er lockte auch damit, dass zehn Millionen Euro für nötige
Investitionen in die Kitas sofort gesichert werden könnten.
Ansonsten müssten allerdings Prioritäten gesetzt werden,
denn demnächst dürfe es keine neuen Schulden geben.
Die Front der Gegner konnte er gleichwohl nicht aufweichen. Die
Grünen kündigten an, den „Ausverkauf kommunalen
Wohnungseigentums“ im März im Landtag zur Sprache zu
bringen. Und Eva Jähnigen, die Chefin der grünen Stadtratsfraktion,
beklagte unzureichende Akteneinsicht vor der Entscheidung.
Auch Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) mahnte noch einmal, dass
der Erlös ausschließlich in die Entschuldung fließen
dürfe.
Dagegen rühmte CDU-Stadtchef Lars Rohwer Finanzbürgermeister
Hartmut Vorjohann aus seiner Partei, er verwandle Dresden in die
„erste deutsche Großstadt ohne Schulden“.
In der Gemengelage vor der Entscheidung machte Roßberg noch
einmal Druck auf die Räte. Das Angebot gelte nur bis zum 10.
März, warnte er. Das sei Wunsch und Erklärung der Bieter.
Fortress-Geschäftsführer Matthias Moser sagte der SZ allerdings,
das Gebot stehe laut Vertrag bis zum 15. April. Er sicherte im Übrigen
zu, dass die Woba eine eigenständige Gesellschaft in Dresden
bleiben solle.
DNN, 22.02.
"Auf einen Schlag ohne Schulden"
Gestern Abend 17.50 Uhr hat die Stadt auf einer kurzfristig einberufenen
Pressekonferenz die Katze aus dem Sack gelassen: Sieger im Bieterverfahren
um die Woba Dresden ist die Fortress Deutschland GmbH. Der Clou:
Die "vollständige Entschuldung der Stadt ist möglich",
freute sich OB Ingolf Roßberg (FDP). Das habe er zuvor nicht
in den kühnsten Träumen zu hoffen gewagt. Wenn der Stadtrat
am 9. März zustimmt, erhält Dresden bis Ende März
nicht nur den für die Haushaltskonsolidierung erhofften Erlös
von 650 Millionen Euro, sondern kann sich auf einen Schlag entschulden.
Fortress sei bereit, 1,7 Milliarden Euro (brutto) zu zahlen. Abzüglich
der Schulden der Woba und der Provision der Berater verbleiben der
Stadt damit 981,7 Millionen Euro, die in den Haushalt fließen.
Der Zweitplatzierte Apellas hatte 933,2 Millionen Euro geboten.
Beide Investoren haben notariell beurkundete Angebote abgegeben,
die bis 10. März ihr Gültigkeit bewahren.
Wie geht es jetzt weiter? DNN-Redakteur Ralf Redemund trug Fragen
und Fakten zusammen.
Wie sieht der Verkausfahrplan aus?
Seit gestern zehn Uhr studieren die Haushaltsexperten der Fraktionen
bereits die Kaufverträge beider Anbieter. Demnächst werden
Fraktionssitzungen und Ausschussberatungen folgen. Am 9. März
soll der Stadtrat abschließend über den Totalverkauf
entscheiden.
Wie wird entschieden?
Die Mehrheit für einen hundertprozentigen Wobaverkauf ist hauchdünn.
CDU, FDP/DSU, Teile der BürgerFraktion und der Linkspartei.PDS
sowie OB Ingolf Roßberg (FDP) und SPD-Stadtrat Albrecht Leonhardt
stellen 38 Stimmen. Die Mehrheit im 70-köpfigen Stadtrat liegt
bei 36. Fallen durch Krankheit und Gesinnungswechsel Befürworter
aus, kippt die Mehrheit. Besonderen Stress und Druck werden in den
nächsten Wochen die neun Befürworter der Linksfraktion
bekommen (DNN berichteten), wo es bereits erste Parteiaustrittsforderungen
beispielsweise an Peter Herpichböhm, Christine Ostrowski, Roland
Weckesser oder Monika Aigner gibt. Denn deren Partei ist gegen den
Totalverkauf der Woba.
Was sind die Knackpunkte?
Vor allem die Links-Stadträte haben den Totalverkauf an zwei
Bedingungen
geknüpft: 1. Der Erlös geht komplett in die Entschuldung.
2. Die so genannte Dresdner Sozialcharta wird in vollem Umfang umgesetzt.
Insbesondere bei der Sozialcharta liegt der Teufel im Detail. Darauf
werden sich in den nächsten Tagen und Wochen vor allem die
Gegner des Komplettverkaufs stürzen.
Was spricht für den Totalverkauf?
Keinem der Befürworter macht der Totalverkauf Spaß. Aber
es ist - neben den Krankenhäusern - die letzte Möglichkeit,
die Stadt auf einen Schlag aus dem Schuldenschlammmassel zu befreien
und wieder größeren Handlungsspielraum zu bekommen, um
zum Beispiel Schulen und Kitas zu sanieren. Derzeit hat die Stadt
laut OB Roßberg 741 Millionen Euro Schulden (ohne Kreditermächtigungen).
Mit dem Fortress-Angebot hätte die Stadt im nächsten Jahr
auf einen Schlag satte 75 Millionen Euro zur Verfügung. Auch
die Aufsichtsbehörde wartet auf einen Verkaufserfolg, um dem
zum dritten Mal hintereinander nicht ausgeglichenen Haushalt der
Stadt doch noch den Segen zu erteilen. Die Bedingungen, die in der
Sozialcharta festgezurrt werden sollen, räumen den Mietern
noch stärkere Rechte ein, als sie durch das deutsche Mietrecht
sowieso schon haben, sagen die Befürworter.
Was sagen die Gegner?
Sie glauben, die Stadt auch schon durch einen Teilverkauf der Woba
(49,9
Prozent) mittelfristig sanieren zu können. Das dauere zwar
länger und sei schmerzvoller, aber dafür behalte man das
Tafelsilber Woba und einen wesentlichen Einfluss auf den Stadtumbau
Dresdens.
Was kann der Bürger tun?
Er kann sich an alle 70 Stadträte und die Fraktionen, aber
auch die Stadtverwaltung wenden, um Fragen zu klären, Wünsche
zu äußern, Forderungen zu stellen. Dafür sind sie
da. Anders als bei der Diskussion um die Zugangsbeschränkungen
zu den Kitas, blieb bislang der große öffentliche Protest
gegen den Woba-Verkauf aus.
Sächsische Zeitung, Mittwoch, 8.
Februar 2006
„Der Stadtrat lutscht Daumen“
Von Thilo Alexe
Politik. Die linke Galionsfigur Oskar Lafontaine argumentiert gegen
die Privatisierung.
Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine, warnt
vor dem Verlust demokratischer Mitbestimmung als Folge des Verkaufs
von öffentlichem Eigentum. Bereits jetzt hätten Stadträte
bundesweit immer weniger zu entscheiden, da die Kommunen immer mehr
Einrichtungen – etwa Stadtreinigung,
Wasser- und andere Versorgungswerke – privatisierten. Dieser
Trend führe zu einem Demokratieabbau, sagte Lafontaine am gestrigen
Abend in einer Pressekonferenz vor einer Diskussionsveranstaltung
der Dresdner Linkspartei im Kulturpalast. „Der Stadtrat hat
Zeit, Daumen zu lutschen“, bemängelte der frühere
Oberbürgermeister von Saarbrücken.
Mit Blick auf Dresden mahnte er, die Woba nicht vollständig
zu verkaufen. „Das führt nicht zu einer strukturellen
Lösung der Finanzprobleme.“ Lafontaine räumte ein,
dass mit einem Verkauf Schulden abgebaut werden könnten –
allerdings ohne nachhaltigen Effekt, da bei den Kommunen in der
Regel die Ausgaben höher als die Einnahmen ausfielen.
Der einstige SPD-Chef plädierte dafür, allenfalls 49
Prozent der Woba-Anteile zu verkaufen. Als Alternative empfahl er,
nur einen Teil der Wohnungen zu veräußern. Lafontaine
bezweifelte zudem, dass eine Sozialcharta von den Käufern in
vollem Umfang akzeptiert werde.
Der Fraktionschef betonte, dass er den Dresdner Stadträten
der Linkspartei, die den Verkauf mehrheitlich befürworten,
nicht „den Kopf waschen“ wolle. Allerdings habe es bislang
ein Gespräch gegeben, bei dem aber nur die Auffassungen ausgetauscht
worden seien.
Lafontaine empfahl die Einführung einer Vermögenssteuer.
Von diesem Schritt könnten auch kommunale Haushalte profitieren.
Im Übrigen seien die Abgaben in Deutschland deutlich geringer
als bei europäischen Nachbarn.
Die Vizechefin der Linkspartei, Katja Kipping, warb um Stimmen
für ein Bürgerbegehren für den Woba-Erhalt. Bislang
seien 40 000 von erforderlichen rund 60 000 Unterschriften gesammelt
worden.
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PM Montag 06. Februar 2006
Ralf Hron: „Der Verkauf der WOBA kostet Dresden in Zukunft
mehr als er ihr jetzt Vorteile verschafft!“
Dresden: Mit Blick auf das Fristende am 1. Februar, welches die
Stadt den Kaufinteressenten an der WOBA zur Abgabe ihrer Angebote
gesetzt hat, äußert sich Ralf Hron, DGB-Chef und Mitinitiator
der Bürgerinitiative „WOBA - erhalten!“, erneut
ablehnend gegenüber dem Vorhaben des vollständigen Verkaufs.
„Nach der ganzen Berichterstattung der letzten Wochen in
der regionalen aber auch in der überregionalen Presse, kann
ich nicht verstehen, dass hier immer noch stoisch an dem Plan des
vollständigen Verkaufs festgehalten wird“, so Hron verärgert.
„Und es ist ja nicht so, dass die Kritik an diesem Vorhaben
ausschließlich aus der linken Ecke kommt. Ganz im Gegenteil,
Fachleute und hochkarätige Politiker aus den Reihen der CDU,
wie der Sächs. Innenminister Dr. Buttolo oder Hamburgs Erster
Bürgermeister Ole von Beust, sprechen sich genau so dagegen
aus kommunales Wohneigentum zu 100% zu veräußern“.
Bereits vor Dr. Buttolo hatte sich auch Ole von Beust in einem Interview
mit der „ZEIT“ gegen Wohnungsverkäufe aus finanziellen
Gründen ausgesprochen und eine „gewisse Schutzfunktion“
des Staates angemahnt.
„Der Dresdner Haushalt ist zwar bereits beschlossen worden
aber es besteht immer noch die Möglichkeit umzukehren und diesen
Unsinn zu stoppen“, fordert Hron alle Beteiligten auf. „Wir
als DGB können nur immer wieder warnen. Der Verkauf wird die
Stadt in der Zukunft mehr kosten als er ihr jetzt Vorteile verschafft.
Ich bin auch fest davon überzeugt, dass die Dresdnerinnen und
Dresdner das Verhalten von OB und Stadtratsmehrheit bis zu den nächsten
Wahlen nicht vergessen werden“, so Hron an die Adresse der
Verkaufsbefürworter.
Bis zum geplanten Verkauf im März wird sich der DGB im Rahmen
der Bürgerinitiative „WOBA-erhalten!“ auch weiterhin
dafür einsetzen den Verkauf zu stoppen. „Ich bin immer
noch optimistisch, dass der Verkauf so nicht stattfindet“,
so Hron abschließend.
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Sächsische Zeitung Donnerstag,
2. Februar 2006
SPD: Mittel für Stadionbau rasch umschichten
Die SPD im Stadtrat drängt auf einen zügigen Stadionbau. Sie kritisiert
dabei Kämmerer Hartmut Vorjohann (CDU), der in der SZ den Woba-Verkauf
als Bedingung für den Stadionbau bezeichnet hatte. Der Freistaat habe
im Zuge des Finanzausgleichsgesetzes entschieden, dass die Stadt acht
Millionen Euro im Etat zugunsten von Investitionen umschichten muss.
„Machen wir endlich Nägel mit Köpfen und nutzen einen Teil des Geldes,
um in der unendlichen Stadionsgeschichte den entscheidenden Schritt
zu tun“, forderte SPD-Stadtrat Albrecht Leonhardt. Der kommunale Anteil
für den Bau beträgt voraussichtlich rund drei Millionen Euro. Die
Bürgerinitiative „Woba erhalten“ bemängelt dagegen „Unehrlichkeit“
bei den Verkaufsbefürwortern. Jene hätten anfangs argumentiert, der
Erlös solle der Schuldentilgung dienen.
(SZ/ale)
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Sächsische Zeitung Donnerstag,
2. Februar 2006
Woba-Verkauf: Da waren es nur noch zwei ...
Für den Kauf der Woba Dresden GmbH sind nur noch zwei Interessenten
im Rennen. Das teilte das Beratergremium der Deutschen Bank gestern
der Lenkungsgruppe aus Stadtrat und Interessenvereinigungen mit,
die den Verkaufsprozess begleitet. Mit den beiden letzten Bietern
würden ab sofort „abschließende Vertragsverhandlungen“ geführt,
wie Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) nach der Sitzung
erklärte.
Er gab sich hoch optimistisch über das Ergebnis, das zuletzt bei
dem Verkaufspoker herauskommen werde: „Wir werden mehr als die 650
Millionen Euro bekommen, die als Erlös veranschlagt wurden“, sagte
er der SZ. Ansonsten gab er sich allerdings äußerst zugeknöpft.
Namen der verbliebenen Bewerber wurden nicht genannt. Er mochte
nicht einmal sagen, ob alle der zuletzt verbliebenen Interessenten
– nach Kenntnis der SZ waren es vier – ein ernst zu nehmendes Angebot
vorgelegt hatten. Die Bieter sollten nichts voneinander wissen,
sagte Vorjohann zur Begründung.
Er bekräftigte allerdings den Zeitplan für das weitere Verfahren.
Danach soll der Stadtrat am 9. März über den Verkauf des städtischen
Wohnungsbauunternehmens entscheiden. Dazu werde voraussichtlich
ein Favorit vorgeschlagen. Er rechne für Mitte Februar mit einem
Verhandlungsergebnis. (SZ/öse)
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Initiator der Bürgerinitiative
"WOBA-erhalten!" Bartels: "Denkt nochmal über den geplanten Verkauf
nach!"
Dresden: Mietervereinschef Bartels nimmt die erneute Kritik zum
geplanten WOBA-Verkauf aus den Reihen der CDU nochmals zum Anlass,
um alle Beteiligten zum Nachdenken aufzufordern.
„Ich kann mich dem Geschäftsführer der Grünen-Fraktion
im Sächsischen Landtag, Karl-Heinz Gerstenberger nur anschließen,
wenn er die Dresdner CDU auffordert den geplanten Verkauf der gesamten
WOBA nochmals mit ihren Fachleuten auf Landesebene zu diskutieren.“
Der Dresdner Mieterverein lehnt als Mitinitiator der Bürgerinitiative
„WOBA-erhalten!“ bekannter Weise den Totalverkauf ab.
Unterstützt wird er darin auch vom Mieterbund Deutschland und
zahlreichen anderen Mietervereinen, die sich dabei bereits auf negative
Erfahrungen von Wohnungsverkäufen in großem Umfang aus
anderen Städten stützen können.
„Der Aspekt der fehlenden Steuerungsmöglichkeiten der
Stadt Dresden nach einem 100%-igen Verkauf, der aus Kreisen der
Landes - CDU immer wieder angemahnt wird, sei nur ein Aspekt das
Vorhaben abzulehnen“ so Bartels. „Was uns natürlich
besonders am Herzen liegt sind die Unsicherheiten für die Mieter
der WOBA aber auch die Auswirkungen auf den gesamten Mietermarkt
in Dresden, wenn der Verkauf wie geplant im März über
die Bühne gehen sollte“. Bartels fordert die Stadträte
deshalb nochmal auf über den Verkauf nachzudenken. „Seit
letzte Woche wissen wir doch, dass auch mit einem 49%-igen –
Verkauf, die angemahnte Entlastung der städtischen Finanzen
durch das RP zu erreichen wäre“. Finanzbürgermeister
Vorjohann hatte dieses selbst in der Debatte um den Haushalt eingestanden.
„Selbst ein Teilverkauf würde uns noch Bauchschmerzen
bereiten. Das muss ich schon dazu sagen aber die Finanzsituation
der Stadt ist nunmal wie sie ist“.
Abschließend erinnert Bartels daran, dass bei der Privatisierung
der Stadtentwässerung auch nur ein Teil der Anteile veräußert
wurde. “Warum sich die Stadt bei einem rein wirtschaftsorientierten
Unternehmen die Mehrheit an den Anteilen behalte aber bei einem
Sozialgut, wie es Wohnungen nun einmal sind, alles aus der Hand
gibt, das sei niemandem zu vermitteln“, zeigt Bartels sein
Unverständnis abschließend.
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Sächsische Zeitung Freitag,
27. Januar 2006
Bedenken im Landtag
(Von Stefan Rössel)
Woba-Verkauf. Auch ein CDU-Abgeordneter warnt vor dem Dresdner
Plan.
Der von der Landeshauptstadt geplante Komplettverkauf ihrer Wohnungsbaugesellschaft
ist auf Kritik im sächsischen Landtag gestoßen. In einer
Debatte zum Stadtumbauprogramm Ost warnte gestern sogar der CDU-Abgeordnete
Georg Hamburger davor, die Woba Dresden vollständig zu veräußern.
Das könne zu Schwierigkeiten führen, "Stadtumbau
und Stadtentwicklung gezielt betreiben und steuern zu können",
sagte der frühere Geschäftsführer des Landkreistags.
Ähnlich hatte sich kürzlich auch Innenminister Albrecht
Buttolo (CDU) geäußert.
Karl-Heinz Gerstenberg, Abgeordneter und zugleich Stadtrat der
Grünen, begrüßte die Kritik von dieser Seite. Er
hoffe, dass nun auch die Dresdner CDU noch einmal darüber diskutiert.
Die SPD-Abgeordnete Margit Weihnert warnte ebenfalls vor einem "radikalen
Totalverkauf", weil die Stadt damit maßgeblichen Einfluss
auf die städtebauliche Entwicklung aufgebe.
Die Redner sprachen sich durchweg dafür aus, Stadtumbau mit
Abrissen von außen nach innen vorzunehmen, um teure Infrastruktur
sparen zu können. Ein kleingliedriger Rückbau dürfte
langfristig nicht finanzierbar sein.
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CDU und Linke drücken Haushalt
durch (DNN 20.01.)
CDU-Fraktionschef Michael Grötsch verlangte namentliche Abstimmung,
damit später für jeden Bürger nachvollziehbar ist, "wer Konsequenz
und Verantwortung gezeigt hat". Wie schwer sich einige Stadträte
bei den "komplizierten Güterabwägungen" (Linke-PDS-Chef Ralf Lunau)
taten, zeigte das Abstimmungsverhalten der Linken: Neun Linke stimmten
unter Führung von Christine Ostrowski und Ronald Weckesser schweren
Herzens für den Haushalt 2006 - und damit den Totalverkauf der Woba
-, acht Genossen - darunter André Schollbach, Tilo Kießling und
Cornelia Ernst - dagegen. Eine Mehrheit der Bürgerfraktion leistete
CDU und FDP ebenfalls Beistand. Doch beinahe hätte die CDU den Haushalt
platzen lassen. Nach drei Stunden "unerwartet unpolemischer Debatte"
(Ronald Weckesser) beantragte Thomas Blümel (Bürgerfraktion) für
die Kitas einen Sachkostenzuschuss von 2,1 Millionen Euro. Sein
Deckungsvorschlag: Geld aus erhofften Nachzahlungen vom Freistaat
für die Kosten der Unterkunft. Schon zu diesem Zeitpunkt hatten
einzelne Fachleute der Fraktionen wieder einmal mehr Geld für Umwidmungen
beantragt, als in der Kasse zur Verfügung stand. Geld ausgeben sei
bei manchen eine Sucht wie trinken, wetterte Albrecht Leonhardt
(SPD). Die CDU beantragte eine Auszeit, sah sich von Räten düpiert,
die auf der einen Seite mehr Geld beantragen, aber auf der anderen
Seite den Haushalt ablehnen. Schließlich stimmte die Union dem Haushalt
dennoch zu. In der Tat weist der 1,8 Milliarden schwere Dresdner
Haushalt zum dritten Mal hintereinander ein Loch auf - diesmal rund
20 Millionen Euro tief. Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU)
hat einen Woba-Verkaufserlös von 650 Millionen Euro (netto) eingeplant.
Nur wenn dieses Geld fließe, werde die Stadt künftig keine neuen
Kredite für ihre Investitionen mehr aufnehmen müssen, könne sie
aus eigener Kraft leben. "Das ist bundesweit gesehen spektakulär",
meinte Vorjohann. Auch ein 49-Prozent-Verkauf der Woba könne das
erreichen, wenn es auch länger dauern würde, hielt Sabine Friedel
(SPD) entgegen. Eva Jähnigen (Grüne) forderte erneut eine Politik
der kleinen Sparschritte und Einschnitte bei den Großprojekten ein.
SPD-Chef Peter Lames lobte immerhin die gute fachliche Haushaltsvorlage.
"Gut gemacht, Kompliment an den OB und das Team", stimmte Holger
Zastrow (FDP) unter anderen Vorzeichen zu. Zastrow lobte den Mut,
konsequent zu privatisieren. Tilo Kießling (Linke-PDS) hielt den
Woba-Verkauf für eine Scheinlösung. Die Probleme der Städte seien
auf kommunaler Ebene nicht zu lösen. Das Regierungspräsidium zwinge
den Rat zu Recht zu Maßnahmen wie dem Woba-Verkauf, solange "wir
selber nicht Disziplin halten können", resümierte Ronald Weckesser
(Linke-PDS). Ralf Redemund
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Dresden will künftig ohne
Kredite investieren
Von Bettina Klemm und Thilo Alexe(SZ 20.01.)
Haushalt. Dresdens Stadtrat hat gestern den Finanzplan 2006 beschlossen.
Durch den Woba-Verkauf bleiben neue Grausamkeiten aus.
Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) appellierte an
die Vernunft:
„Mit dem Verkauf der Woba können wir uns dauerhaft vom
Schuldendienst entlasten. Das sind Ausgaben von mehr als 70 Millionen
Euro jährlich.“ Künftig soll Dresden investieren
können, ohne dazu neue Kredite aufnehmen zu müssen. Das
sei die Stadt auch späteren Generationen schuldig.
Gleich zu Beginn der Diskussion signalisierten CDU, PDS und FDP
Zustimmung.
Kritik kam hingegen von den Grünen und der SPD. Die Grünen
forderten, besonders teure Verkehrsprojekte noch einmal zu überdenken.
Die SPD plädierte dafür, nur 49 Prozent der Woba zu verkaufen.
Das würde auch ausreichen und hätte nicht so gravierende
soziale Folgen.
Obwohl das Finanzwerk in zahlreichen Ausschüssen bis zum letzten
Komma diskutiert wurde, wollten sich zahlreiche Räte nochmals
dazu äußern und mehrere kleine Änderungen begründen.
Sie wurden später fast alle beschlossen und sollen aus Gewinnen
der Stadtentwässerung finanziert werden.
Eigentlich schien alles klar, bis Thomas Blümel von der Bürgerfraktion
seinen Änderungsantrag stellte. Er schlug vor, dass der Kindertagesstätten-Betrieb
2,4 Millionen Euro mehr besonders für die pädagogische
Arbeit und für Spielzeug erhalten soll (die SZ berichtete).
Dresden hofft auf Geld vom Land für die Kosten der Unterkunft
für Empfänger von Arbeitslosengeld II zu bekommen. Aus
diesem Topf, so Blümel, soll die Differenz kommen. Überraschend
folgte ihm eine Mehrheit des Stadtrates.
Daraufhin bat die CDU-Fraktion um eine Beratungspause, schließlich
stehe nicht fest, wie viel Geld vom Land kommt. Auch Oberbürgermeister
Ingolf Roßberg (FDP) sagte, er habe bei dem Blümel-Beschluss
Bauchschmerzen. Am Ende votierte der Stadtrat mit 37 Ja- und 28
Nein-Stimmen für den Haushalt, Zwei Räte enthielten sich.
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Vorgelegten Haushaltsplan der
Stadt Dresden ablehnen
Vorsitzender der Linkspartei.PDS Dresden, Hans- Jürgen Muskulus
Vorsitzender des Stadtausschusses der SPD Dresden, Michael Sturm
Sprecher der Partei Bündnis 90/ Die Grünen in Dresden,
Achim Wesjohann
Das Kenstück des diesjährigen Haushaltes ist der vollständige
Verkauf der WOBA.
Dazu erklären die Vorsitzenden der in der Bürgerinitiative
„WOBA erhalten“ zusammenarbeitenden Parteien Hans- Jürgen
Muskulus, Linkspartei.PDS, Michael Sturm, SPD und Achim Wesjohann,
die Grünen:
„Dresden als europäische Kulturstadt begeht einen folgenreichen
Fehler. Stadtgestaltung und Entwicklung ohne einen eigenen Bestand
an Wohnungen und die soziale Daseinsfürsorge für einkommensschwache
und arbeitslose Bürger ist so nicht umsetzbar. Obwohl in den
letzten Wochen Experten vor dem Totalverkauf warnten, so zuletzt
der Vorsitzende des Deutschen Städte- und Gemeindetages der
Münchner Oberbürgermeister Ude, der sächsische Innenminister
Buttolo und der Vorsitzende des Verbandes der sächsischen Wohnungs-
und Immobilienwirtschaft Osthoff, hält offensichtlich die Stadtverwaltung
und eine Gruppe von Stadträten daran fest. Wir empfehlen allen
Stadträten, den Haushaltsentwurf abzulehnen.“
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Monopoly: Geht Steinbrück über Los? Mieterbund: In
Deutschland droht beispielloser Ausverkauf öffentlicher Wohnungsbestände
(ND 19.01.)
Mit der Forderung, den Ausverkauf der öffentlichen Wohnungsbestände
auf Bundes-, Landes und kommunaler Ebene zu stoppen, wandte sich
gestern der Deutsche Mieterbund (DMB) an die schwarz-rote Bundesregierung.
Fanz Müntefering müssen die Ohren geklungen haben, als
Mieterbund- Präsidentin Anke Fuchs und der Direktor des Dachverbandes
von 330 örtlichen Mietervereinen, Franz-Georg Rips gestern
das Wirken der von ihm viel gescholtenen Heuschrecken, die sie kurzerhand
in »Elefanten« umbenannten, auf den Wohnungsmärkten
des Landes geißelten. Ob er allerdings nun als Vizekanzler
über Forderungen glücklich ist, deren Aktivitäten
regierungsamtlich einzuschränken, darf bezweifelt werden. (zum
ganzen Artikel - pdf)
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Die Woba als Paradebeispiel Dresdner Wohnungsverkauf
erregt bundesweit Aufsehen / Kritik wird lauter (ND 18.01.)
Der Verkauf des Dresdner Wohnungsunternehmens Woba kommt in die
letzten Phase. Während in der Stadt bereits über den Einsatz
des Kauferlöses gestritten wird, mehren sich bundesweit die
warnenden Stimmen. Gong zur letzten Runde: Bis Montag müssen
die Interessenten für den Kauf der Dresdner städtischen
Wohnungsgesellschaft Woba dem Vernehmen nach sind das die Immobilienfonds
Appellas, Corpus und Fortress sowie der italienische Mischkonzern
Pirelli - ihre Angebote vorgelegt haben. Danach bleibt noch etwas
mehr als ein Monat, um mit den Höchstbietenden über Details
zu verhandeln. Im März entscheidet der Stadtrat, wer die Gesellschaft
mit ihren rund 48 000 Wohnungen übernimmt. Es werde, sagt Finanzbürgermeister
Hartmut Vorjohann, »Wettbewerb bis zur letzten Minute«
geben. (zum
ganzen Artikel - pdf)
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Sozis bleiben beim Woba-Verkauf
hart: 49,9 % sind genug!
(Morgenpost 18.01.2006)
„Auch der Verkauf von 49,9 Prozent der Woba würde das
Problem mit dem Defizit im Haushalt lösen“, gab Finanzbürgermeister
Hartmut Vorjohann (CDU) gestern zu. Das ist seine Einschätzung
zu einem jetzt von der SPD vorgelegten Papier.
Die SPD bewährt sich hartnäckig als Gegner des Verkaufs
der kompletten Woba. Mindestens 650 Millionen Euro will die Stadt
damit einnehmen. SPD-Stadträtin Sabine Friedel: „Auch
der Verkauf von 49,9 Prozent würde den Haushalt nachhaltig
konsolidieren. Wir wären spätestens 2010 aus den Miesen.“
Die Sozis gehen davon aus, dass 49,9 Prozent 274 Mio. Euro in die
Stadtkasse brächten – 49,9 Prozent von 650 Mio. Euro
minus 15 Prozent, da nur Anteile verkauft werden.
Danach könnte die Stadt 2009 eine schwarze Null schreiben und
würde 2010 sogar Gewinne machen. „Beim kompletten Verkauf
wären wir Ostern 2008 so weit“, so Vorjohann. Allerdings
warnt Vorjohann: „Wir hätten deutlich weniger Geld für
Investitionen und damit um Fördergelder abzuholen. 2009 endet
der Solidarpakt II. Es gibt kaum noch Fördergelder –
dann muss Dresden auf eigenen Füßen stehen. Das geht
nur mit dem kompletten Verkauf.“ Sabine Friedel hält
dagegen: „Das ist es nicht wert, um auf die sozialen und stadtentwicklerischen
Steuerungsmöglichkeiten bei der Woba zu verzichten.“
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SPD will Haushalt mit „halber
Woba“ sanieren (DNN 18.01.2006)
Die SPD-Fraktion will dem Haushalt 2006 nicht zustimmen. Hintergrund:
Die Fraktion hält – bis auf Albrecht Leonhardt –
den Verkauf von 49 Prozent der Woba Dresden für ausreichend,
um den Haushalt nachhaltig zu sanieren. "„Für uns
hat der langfristige Erhalt der städtebaulichen, sozialpolitischen
und wirtschaftlichen Steuerungsmöglichkeiten Vorrang“,
erklärte Haushaltsexpertin Sabine Friedel. Der Preis dafür
sei der Verzicht auf zusätzliche 20 Millionen Euro bei Investitionen.
Unterstützung erhält die SPD von der Bürgerfraktion.
Thomas Blümel hält den Gegenentwurf der SPD für eine
echte Alternative zum Haushaltsplan der Verwaltung. Der größte
Verdienst sei die Entzauberung des Mythos` vom „totalen Verkauf
der Woba“ zur Rettung des städtischen Haushaltes.
Nur mit dem Komplettverkauf schaffe es die Stadt, aus eigener Kraft
Überschüsse zu produzieren, so dass keine Kredite mehr
aufgenommen und keine Schuldendienste – Zinsen und Tilgungen
– mehr geleistet werden müssen, entgegnete Finanzbürgermeister
Hartmut Vorjohann (CDU). Der Kämmerer verwies auf neben noch
zu lösenden Problemen wie die Sanierungen von Zoo und Kulturpalast
auch auf steigende Kosten im Kita-Bereich, bedingt durch steigende
Geburtenzahlen. Wer argumentiere, familienfreundlich sein zu wollen,
müsse für den Woba-Totalverkauf stimmen.
Am 23. Januar laufe die Frist für die Bieter ab, so Vorjohann
zum Stand des Verkaufsverfahrens. Der Lenkungsausschuss werde über
die Angebote am 1. Februar beraten. Vorjohann ist zuversichtlich,
den Zeitplan einzuhalten und dem Stadtrat im März einen Verkäufer
präsentieren zu können.
(zurück)
SPD: Teilverkauf der Woba reicht
für den Etat (SZ 18.01.2006)
Kurz vor der Abstimmung über den Haushalt zieht die SPD im Stadtrat
noch einmal gegen den Komplett-Verkauf der Woba Dresden GmbH zu
Felde. Der Verkauf von nur 49 Prozent der städtischen Wohnungsbaugesellschaft
würde völlig ausreichen, um den Haushalt nachhaltig zu konsolidieren,
erklärte Fraktionschef Peter Lames gestern. Stadträtin Sabine Friedel
legte dazu eigene Modellrechnungen vor. Danach würden beim 49-Prozent-Verkauf
ab dem Jahr 2010 Überschüsse im Verwaltungshaushalt entstehen, weil
Zinsverpflichtungen wegfallen. Der wesentliche Unterschied zum Totalverkauf
liege darin, dass die jährlichen Überschüsse um 20 Millionen Euro
geringer ausfielen, aber doch noch deutlich über 20 Millionen Euro
ausmachten. Finanzpolitisch sei der 100-Prozent-Verkauf also nicht
erforderlich, versicherte Lames. Auf der anderen Seite erhalte sich
die Stadt durch eine Mehrheit bei der Woba verstärkten Einfluss
auf die Stadtentwicklung. Das könne von Bedeutung sein, wenn Schwerpunkte
bei Wohngebieten und Zentren neu gesetzt werden sollen. (SZ/öse)
(zurück)
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